Interview mit Kapitän Yannick Walbröl

24. März 2017

Lieber Yannick,

das wird die erste Zeitung in der Rückrunde. Es sind bereits einige Spiele gespielt. Wie schätzt du den Rückrundenstart ein?
Also los ging es ja mit der Vorbereitung. Da haben wir aus 5 Spielen einen Punkt geholt und konnten nicht das umsetzen, was wir uns vorgenommen haben. Zum Glück haben wir spontan noch das Spiel gegen ­Oberkassel reingenommen, da haben wir sehr gut gespielt und gewonnen. Das stellte aber die positive Ausnahme dar.

Woran hat das gelegen?
Also die Trainingsbeteiligung war sehr schlecht. Dass die Vorbereitung so gelaufen ist, lässt sich einfach darauf zurückführen. Das Training war zwar intensiv und die Leute die da waren, haben auch gut mitgezogen, aber die Beteiligung lässt sich nicht leugnen. So ist es natürlich schwer Abläufe einzustudieren.

Hat dich die Vorbereitung also negativ überrascht?
In gewisser Weise schon. Ich bin es einfach nicht gewohnt, dass eine Vorbereitung so abläuft. Es braucht immer diese Eigenmotivation und die geht hier manchmal ab. Wenn die aber fehlt, kommt es dazu, dass die Trainingsbeteiligung schlecht ist und führt natürlich auch dazu, dass man Sonntags nicht 100% gibt.

Du bist im Sommer aus der Mittelrheinliga zu uns gewechselt und hast Jahre lange auf diesem Niveau gespielt. Wo siehst du die größten Unterschiede zu Mannschaften in höheren Spielklassen?
Also eine Sache muss ich ganz klar sagen: Talentfrei ist hier keiner! Die Jungs sind gut und es macht Spaß, aber es fehlt häufig an Konzentration und an Konstanz. Diese Konzentration 90 Minuten lang hoch zu halten, alle elf Spieler, das zeichnet höherklassige Mannschaften aus. Das ist eine Fähigkeit. Dann kommt auch die Konstanz irgendwann rein. Aber wie gesagt, Fussball spielen kann hier jeder.

Wie hast du diese „Fähigkeit“ erlangt?
Ich weiß nicht, ob man sowas lernen kann. Ich denke eher man guckt sich das bei ­erfahrenen Spielern ab. Ich selber habe in der Jugend nur in der Sondergruppe gespielt, hatte aber dann das Glück, dass ich bei den Senioren sofort nach Bad Honnef in die Landesliga wechseln durfte.
Ich hab dann einfach das nachgelebt, was mein ein oder anderes Vorbild vorgelebt hat. Da fällt mir zum Beispiel Nana Amaniampong ein, der heute Co-Trainer bei Bad ­Honnef ist. Der hat den Laden immer zusammen gehalten und von ihm hab ich viel gelernt.

Erklärst du mit dem Fehlen dieser Fähigkeit auch die krassen Leistungsschwankungen?
Ja, ich denke, dass diese Schwankungen eine Mentalitätssache sind. Ich hatte jetzt ja den Vergleich zwischen 3 Oberligavereinen, mit SF Troisdorf 05, dem BSC und Friesdorf und sehe einfach diesbezüglich die größten Unterschiede zu uns.
Bei Troisdorf war alles sehr emotional. Beim BSC hingegen, alles sehr abgeklärt und dominant und bei Friesdorf waren wir der Underdog. Alle Mannschaften hatten aber eins gemeinsam, und zwar: sie haben alle gebrannt Fußballspiele gewinnen zu wollen.
Das fehlt hier einfach manchmal. Wir sind hier zu schnell zufrieden und starten deshalb auch keine Serie.

Du sagst, dass die Qualität da ist. Wo muss die Reise mit dieser Mannschaft in dieser ­Saison hingehen?
Also ich bin nie zu einer Mannschaft gegangen und wollte im Mittelfeld der Tabelle rumspielen. Ich denke, der Anreiz für jeden Fußballer muss es doch sein oben mitzuspielen. Ich bin immer davon überzeugt gewesen, dass man eine Perspektive nach oben braucht, sonst macht es keinen Sinn.

Denkst du, dass wir oben mitspielen können?
Ich denke schon, dass wir oben mitspielen könnten. Ich denke auch, dass das vielleicht in dieser Rückrunde noch möglich ist. Das Feld, außer Bad Honnef, ist eng zusammen und wenn du eine Serie startest, dann kannst du schnell oben drin stehen. Dazu musst du aber, um das nochmal deutlich zu sagen, Leidenschaft und Engagement mitbringen. Allein fussballerische Qualität wird dafür nicht ausreichen.

Ein Ausblick auf das Spiel gegen Wachtberg. Im Hinspiel haben wir 5:3 verloren und sehr herzlos gespielt. Was erwartest du dieses Mal?
Ich erwarte eine klare Reaktion. Wir haben in der Hinrunde nach 4 Spielen gefühlte 20 Gegentore gehabt. Das geht natürlich überhaupt nicht und da muss sich jeder hinterfragen.
Man muss nicht die beste taktische Aufstellung haben um 5 Tore zu verhindern. Wir kriegen einfach zu häufig, zu viele ­Gegentore und daran müssen wir arbeiten.

Danke, für das Interview


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